Mittwoch, 12. August 2015

Stockholm - von Zimt, Kardamom, hübschen Menschen und bunten Häusern




Stockholm
Ich sitze gerade im Zug. Die Landschaft ist unglaublich schön. Wiesen, Felder, kleine Häuser mit weißen Umrandungen an den Dächern und Fenstern, klare Seen, Wälder mit schweren Tannen oder leichten Laubbäumen. Wenn mir gleich Pipi Langstrumpf auf dem kleinen Onkel entgegenkommt, würde es mich nicht wundern. Die Landschaft wirkt unglaublich friedlich und ruhig. Auf meinem Weg nach Malmö habe ich fünf Stunden Zeit, aus dem Fenster zu schauen. Quer durch Südschweden im Schnellzug...

Ich sitze natürlich nicht mehr im Zug, sondern habe während der Fahrt geschrieben. Nach ein paar Tagen in Stockholm geht es durch eine komplett andere Kulisse von der Stadt über das Land in eine andere Stadt. Warum so viele von Stockholm schwärmen, habe ich schnell gemerkt:

Es war eine gute Idee, in Europa zu bleiben. Ich hatte für meinen Urlaub noch andere Pläne, Skandinavien reizte mich dann mehr und so ging es nach Stockholm und Kopenhagen mit einem Zwischenstop in Malmö. Ich habe immer gedacht, die schönsten Menschen leben in Sevilla. Ein Irrtum. Die schönsten Menschen leben in der schwedischen Hauptstadt. Und die freundlichsten und gelassensten. Einen Teil tragen bestimmt die Farben der Häuser bei. Diese Stadt ist so bunt, dass selbst die Regenbogenflagge kaum auffällt! (Ich war vor der Gay Pride da und es wird schon Tage vorher gefeiert. Hier kann selbst Köln noch was lernen.)

Die schönen Menschen wissen sich auch zu kleiden. Unsere Trends kommen direkt von den Straßen Stockholms und es würde mich nicht wundern, wenn die Herren zu ihren Hipsterbärten auch bei uns bald lange Haare und Pferdeschwanz tragen. Gepflegt, versteht sich. So gepflegt, dass ich schon fast neidisch auf die Herren war, die ihren Dutt perfekt knoteten, während meiner stets einen leichten Rechtsdrang hat. 



Aus den Bäckereien weht eine Geruchsmischung aus Zimt und Kardamom. Für mich galt Fika durchgehend und ein oder zwei Zimtschnecken am Tag mussten sein. Da ich aber so gut wie nie Bus oder Bahn genommen habe und Kilometer zu Fuß gelaufen bin, trainierte ich jede Kanelbulle sofort wieder ab. Wie ich schon oft geschrieben habe: "Eine Stadt lernt man am besten zu Fuß kennen."




Den bunten Kern bilden die Häuser um Gamla Stan. Es lohnt sich, früh aufzustehen und dem Touristenandrang ab dem Mittag zu entkommen. Vom Königspalast entlang ziehen sich etliche kleine Gassen und Straßen. Ich habe es sogar geschafft, mich ein wenig zu verlaufen. Die Schuld gebe ich der Unterzuckerung, denn ich hatte noch nicht gefrühstückt, was ich in der "Fabrique" nachgeholt habe. Kaffee, Kanelbulle und Joghurt mit Rhabarber. Die Bäckerei führt einige Standorte in Stockholm und ist eigentlich wegen des guten Brotes bekannt. Mir hat auch die Zimt-Kardamom-Schnecke geschmeckt, frisch aus dem Ofen und nicht zu süß für den Morgen. Der Kaffee war ganz ok, den habe ich aber besser in Sofo bekommen.



Sofo bilden ein paar Straßen im Teil Södermalm. Die Anlehnung an SoHo ist kein Zufall und hippe Cafés und Pop-Up-Läden reihen sich neben Wohnhäuser. Dort fand ich das Café Garbos. Hier erinnerte mich der Cappucchino an den von der Coffee Gang aus Köln. Die beste Zimtschnecke aber bekam ich in Norrmalm  als ich ins Café Pascal wollte. Ich folge dem Café auf Instagram und bin durch Regen gelaufen, um vor verschlossenen Türen zu stehen. Urlaub! Aber doch bitte nicht in meinem Urlaub! Genau gegenüber sah ich allerdings ein paar Menschen aus einer Bäckerei kommen. Die Kanebulle sah super fluffig aus und ich nahm mir eine mit für unterwegs. Ich wollte sie später essen, was mir nicht gelang, denn sie roch nicht nur frisch, sondern fühlte sich auch so in der Tüte an. Wenn es eine perfekte Zimtschnecke gibt, dann diese. Karamellisiert, buttrig und zimtig - der Geschmack war unglaublich.




Einen sonnigen Tag habe ich im Djugården verbacht. Wenn man den kleinen Vergnügungspark und den Tierpark hinter sich lässt, erreicht man Idylle mitten in Stockholm. Um eine Reihe Gewächshäuser sind Beete mit Gemüse und Obst angelegt. Auf Wiesen lassen sich unter Apfel- und Kirschbäumen Stunden verbringen. Das haben sich auch viele Stockholmer gedacht und verbrachten ihren Nachmittag mit einem Picknick. In einem Gewächshaus gab es ein Café, wo auch Smorebrod gegessen werden konnte. Mir reichte ein Kaffee und der Blick auf die Apfelbäume.




Auf dem Weg zum Hostel bin ich übrigens in einer Foodhalle gelandet - und das war nicht geplant! Die Östermalms Saluhall bot alles für das schwedische Herz. Smørrebrød, Köttbullar, frischen Fisch, Kaffee, Tee und Zimtgebäck. Weil es nicht geplant war, hatte ich kurz vorher auch schon etwas gegessen, sodass ich wirklich keinen Hunger hatte. Das Smørrebrød sah aber köstlich aus! 



Es hatte ein bisschen zu viel geregnet. Das habe ich genutzt, um ins Fotografiska und Moderna Museet zu gehen. Beide Museen haben mich sehr fasziniert. Im Fotografiska gab es eine Ausstellung der Künstler Inez und Vinoodh, die Fotos und Videos von/für Stars und Luxus-Labels machen. Im Moderna Museet habe ich unter anderem Werke von Künstlern wie Picasso, Warhol und Rauschenberg gesehen. Ich könnte Stunden vor einigen dieser Kunstwerke sitzen. "Zum Glück" hatte es geregnet.







Wir können die Freiheit nicht simulieren.

...Mittlerweile ist der Zug ein paar Kilometer weiter im Süden. Der nächste See, die nächste Pferdeherde. Mein Upgrade weiß ich zu schätzen. Die nette Dame am Ticketschalter gab mir für meinen Studentenpreis ein Ticket für die 1. Klasse. Ziemlich cool von ihr, denn die Menschen um mich herum sind wieder wunderschöne Schweden, die aus dem Fenster schauen oder in Bücher versunken sind. So lässt es sich entspannt noch ein paar Stündchen hier sitzen. Und ich mache es meinen Mitreisenden gleich und schaue auch wieder aus dem Fenster...

Mein Hostel war übrigens super: Wer einen Tripp nach Schweden in "meiner studentischen Preisklasse" plant, sollte im City Backpackers nach einem freien Bett suchen. Die Räume waren sauber und die Menschen extrem nett (ca. 10 Minuten zu Fuß vom Bahnhof entfernt). 



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen